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Fusion der neuen Kirchengemeinde mit Gottes Segen

8 Gemeinden - 8 Geschichten - 8 Richtungen: Gemeinsam unterwegs - Gott ist dabei

Predigt von Pfarrerin Ann-Kathrin Rieken für den Fusionsgottesdienst

am 15.03.2026 um 11 Uhr in der Kirche

in der St. Johannis-Kirche zu Süpplingenburg (1. Kor 3,11)

 

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,

wenn man im Moment Nachrichten über Kirche hört, dann klingt das oft wie eine große Baustelle. Die Landeskirche hat eine große Strukturreform beschlossen. Aus 11 Propstein sollen vier werden und aus 263 Kirchengemeinden 16 Regionalkirchengemeinden mit mindestens 10.000 Mitgliedern. Und wir hier in Königslutter und Nord-Elm proben diese Zukunft, die die Landeskirche beschlossen hat, schon einmal. Acht ehemalige Kirchengemeinde haben zum 1.1.2026 zur Kirchemgemeinde Königslutter-Nord-Elm fusioniert. Es ist die größte Kirchengemeinde der Region entstanden mit fast 8.000 Mitlgiedern. Wer jetzt rechnen kann, weiß, dass wir damit noch nicht die 10.000 Marke der Landeskirche erreicht haben.

Diese Fusion ist also zunächst ein Zwischenschritt – ein Schritt mitten im Umbau. Überall spürt man Veränderungen: Gemeinden wachsen zusammen, Strukturen wandeln sich, und viele fragen sich voller Sorge oder Neugier: Wie wird unsere Kirche morgen aussehen? Wie soll das nur alles werden? Kirche befindet sich mitten im Umbruch – oder anders gesagt – mitten im Umbau.

Und jeder, der schon einmal ein Haus umgebaut hat, weiß:
Während des Umbaus sieht es manchmal chaotisch aus.

Wände werden aufgerissen.
Zimmer verändern sich.
Manches verschwindet und wird weggerissen.

Und wer baut oder umbaut, der braucht ein gutes Fundament worauf er bauen kann. Das stabil ist, dass nicht bröckelt und dem schweren Gerät stand hält.

Von diesem Fundament haben wir vorhin in der Lesung bei Paulus gehört:

11Denn niemand kann ein anderes Fundament legen
als das, das schon gelegt ist. Und das ist Jesus Christus.

Unser Fundament ist also Jesus Christus. Er bildet die Grundlage auf dem alles andere wächst und entsteht. Das Fundament besteht also nicht aus Gebäuden, nicht aus Strukturen, nicht aus Gemeindegrenzen. Unser Fundament ist Jesus Christus, der uns trägt. Auf ihm bauen wir Strukturen auf und diese Strukturen können sich verändern. So, wie wir das heute erleben:
Acht ehemalige Kirchengemeinden werden eine Kirchengemeinde. Aber das Fundament auf dem diese neue Kirchengemeinde steht, das bleibt gleich, das verändert sich nicht. Auch wenn es nur die Strukturen sind, die sich verändern, ruft dieser Umbau unterschiedliche Gefühle in uns hervor:

Für manche fühlt sich das gut an.
Für manche ist es ungewohnt.
Und für manche vielleicht auch ein bisschen traurig.

Denn natürlich hängen an Gemeinden und gerade auch an den Kirchen im Ort Erinnerungen:
Die Taufen der Enkelkinder.
Die Konfirmationen der Kinder.
Die eigene Hochzeit.
Menschen, die man kennt.
Traditionen, die gewachsen sind.

Und da wird deutlich ist geht um das Fundament um den Segen, den wir an wichtigen Stationen des Lebens empfangen haben.

Ich habe mich gefragt: Was würde eigentlich passieren, wenn Jesus heute hier in unserer Region unterwegs wäre?

Würde er zuerst die Kirchengebäude anschauen? Oder würde er sich die Strukturen der Landeskirche anschauen?
Wahrscheinlich nicht.

Denn wenn wir in der Bibel lesen, dann sehen wir da, dass Jesus keine Kirchengebäude hatte.

Er predigte am See.
Auf Bergen.
In Häusern.
Auf Straßen.

Kirche entstand überall dort,
wo Menschen ihm begegnet sind.

Ich frage mich: Wo würde Jesus heute hingehen? Würde er über den Edeka- oder nah&gut-Parkplatz schlendern, Menschen begegnen, die gerade einkaufen?
Würde er in die AWO-Psychiatrie gehen, denjenigen zuhören, die leiden und Hoffnung suchen? Oder auf den Sportplatz, wo Teamgeist, Ehrgeiz und Freude am Spiel gelebt werden? Oder würde er ins Altenheim geben, wo die Menschen Zuspruch brauchen.

Denn überall dort, wo Menschen leben, lachen, leiden oder hoffen, da ist Jesus – mitten unter uns, genauso wie er es damals in den Dörfern Galiläas getan hat.

Kirche ist zuerst Gemeinschaft von Menschen,
die sich an Christus orientieren.

Die Gebäude sind wichtig.
Sie erzählen Geschichte.
Sie sind Orte des Glaubens.

Und wir haben hier in der neuen Kirchengemeinde tatsächlich 17 Kirchen in 16 Orten – 17 sichtbare Zeichen des Glaubens. Die weit ins Land hineinstrahlen. Das ist etwas Besonderes.

Aber die eigentliche Kirche sind doch die Menschen, die hier leben und glauben. Paulus formuliert es so: Denn der Tempel Gottes ist heilig. Und dieser Tempel seid ihr.

Und genau deshalb ist dieser Tag heute eigentlich ein sehr passender Tag für Kirche. Denn heute feiern wir nicht nur eine Struktur. Heute feiern wir, dass viele Menschen gemeinsam sagen: Wir wollen Kirche sein. Wir wollen gemeinsam bauen. Auf dem Fundament von
Jesus Christus.

Und genau das sehen wir jetzt hier vorne. Diese Bausteine stehen für die acht Kirchengemeinden. Und hinter diesen acht Kirchengemeinden stehen 17 verschiedene Kirchorte. Sie können das sehen, dass auf dem Baustein der Kirchengemeinde An der Scheppau 5 Orte stehen: Boimstorf, Glentrof, Rieseberg, Rotenkamp und Scheppau.

Jeder Baustein steht für eine Kirchengemeinde – mit ihrer ganz eigenen Geschichte. Manche haben schon früher Fusionen erlebt, andere tragen lange Traditionen in sich. Jede Gemeinde hat ihre eigenen Menschen, ihre eigenen Erlebnisse, ihre eigenen Geschichten und Erinnerungen.

Im Moment sehen diese Bausteine noch aus wie einzelne Teile. Sie ergeben noch kein richtiges Bild, noch keinen klaren Bauplan.

Acht Gemeinden.

Acht Geschichten.

Acht Richtungen.

Doch jetzt passiert etwas.

Ich bitte nun Frau Ruppert und Herrn Labahn diese Steine einmal umzudrehen. Und ein wenig umzubauen.

Auf einmal entsteht aus den einzelnen Steinen
ein gemeinsames Bild.

Eine Kirche.

Das bedeutet nicht, dass die Vergangenheit einfach verschwunden ist. Ganz im Gegenteil: Sie steht noch auf der Rückseite des Kartons, sichtbar und präsent, wie ein Erinnerungsbuch, das uns zeigt, woher wir kommen.

Aber jetzt entsteht Raum für Neues: Auf der Vorderseite können wir gemeinsam ein neues Bild gestalten, ein Bild, das Begegnungen, Ideen und Wege zeigt, die wir gemeinsam gehen.

So wird aus vielen einzelnen Steinen eine lebendige Kirche: vielfältig, offen für Neues, getragen von dem Fundament, das alles hält: Jesus Christus.

Und so waren die Menschen in den ehemaligen Kirchengemeinden aufgerufen worden, kreativ zu werden. Sie sollten selbst Farbe und Form in dieses neue Bild einzubringen. Und zwar sollten sie all das malen – was sie in die neue Kirchengemeinde mitbringen.

In Rottorf sehen wir die besondere Natur rund um die Kirche. Viele Gottesdienste werden dort draußen gefeiert – sogar ein Tauffest. Manchmal ganz spontan, einfach weil das Wetter schön ist und Menschen zusammenkommen.

In Groß Steinum gehört das Krippenspiel seit vielen Jahren fest zum Heiligabend dazu. Kinder, Eltern und Gottesdienstbesucher gestalten es gemeinsam – mit großer Begeisterung.

In Bornum und Lauingen ist jeweils der Platz rund um die Kirche der Mittelpunkt des Dorflebens. Dort entstehen Begegnungen zwischen Kirche, Schule, Kindergarten und Vereinen.
Dort werden Maibäume aufgestellt, Bürgerfrühstücke gefeiert und St. Martin begangen. Kirche wird dort mitten im Dorf sichtbar und erlebbar.

Die Stadtkirche bringt besonders das Bild einer Kirche im Zentrum ein – ein gastfreundlicher, offener und barrierefreier Begegnungsort für Menschen aller Generationen.

Die Kirchengemeinde An der Scheppau erinnert uns an etwas sehr Schönes: an das Wasser.
Die Scheppau verbindet die Orte miteinander – so wie auch Gott uns miteinander verbindet und gemeinsam in die Zukunft führt.

In Frellstedt laden Konzerte in der St. Vitus Kirche mit wunderbarer Akustik zum Hören und Staunen ein.
In Wolsdorf begleitet das Friedenslicht und andere Andachten in der St. Johannes Kirche die Menschen durch die Weihnachtszeit.

Lelm bringt den FreiRaum und den Kindergottesdienst mit ein. In Warberg gibt es mit dem Posaunenchor und dem Gittarrenkreis viel Musik. Auch hier spüren wir, wie Musik und gemeinsames Erleben Menschen zusammenbringen.

In Süpplingen–Süpplingenburg treffen historische Kirchen auf engagierte Menschen, vielfältige Angebote und eine Gemeinde, die mit all ihren individuellen Stärken und Schwächen Kirche erlebbar macht.

Die Stiftskirche bringt viel Musik mit – und eine Kirche für alle Generationen, von 0 bis weit über 100 Jahre.
Die Stiftskirche ist ein außerschulischer Lernort und bietet so vielen Kindern eine Zugang zur Kirche. Außerdem gibt es viele unterschiedliche Andachtsformate und eine große Vielfalt im geistlichen Leben. Wodurch Kirche vielfältig erlebbar wird.

Und all das alles wurde hiervorne in die große Kirche hineingemalt und geklebt. All das bringen Sie, liebe Gemeinde, mit in diese neue Gemeinde hinein. So entsteht ein buntes, lebendiges Bild. Ein Bild, das zeigt: Kirche lebt von den Menschen, ihren Gaben und ihrer Gemeinschaft – und sie wächst und wir bauen gemeinsam weiter auf dem Fundament, was uns alle verbindet.

Keiner dieser Steine ist überflüssig.

Jeder gehört dazu.

Zusammen ergeben all diese Bausteine ein neues Ganzes – vielfältig, lebendig und getragen von der Vergangenheit, aber offen für die Zukunft.

Wie bei einem Haus im Umbau zeigt sich erst mit der Zeit, wie alles zusammenwächst. Stück für Stück entstehen Räume und Verbindungen – und aus all den Geschichten, Menschen und Traditionen entsteht ein neues, lebendiges Ganzes, getragen vom Fundament Jesus Christus

Paulus sagt: „Aber jeder muss aufpassen, womit er weiterbaut.“

Das bedeutet: Kirche entsteht nicht nur durch Beschlüsse
oder neue Strukturen.

Kirche entsteht durch Menschen.

Durch Menschen, die sagen:

Ich singe im Chor.
Ich spiele im Posaunenchor.
Ich leite eine Gruppe.
Ich kümmere mich um andere.
Ich übernehme einen Vorsitz.
Ich bete.
Ich bringe Ideen ein.

Und davon gibt es hier viele.

Viele Ehrenamtliche.
Viele Engagierte.
Viele Menschen mit Herz für Kirche.

Ohne sie und euch gäbe es diese Kirche nicht. Vielen Dank, dass Sie sich einbringen.

Natürlich ist der Schritt nicht einfach. Vieles verändert sich. Doch darin liegt auch eine Chance: Kräfte zu bündeln, neue Ideen zu entwickeln und gemeinsam stärker zu sein.

Kirche mag sich verändern – Räume, Strukturen, Abläufe. Doch das Fundament bleibt. Jesus Christus: Schritt für Schritt bauen wir auf diesem Fundament weiter. Es gibt uns Halt und Orientierung. Und so können wir mutig weiter bauen, Wände einreißen und neu hochziehen.

Es ist das Versprechen Gottes, der mitten unter uns ist, der das Fundament trägt und hält. So entsteht aus allen Steinen eine lebendige, starke Kirche, die Menschen verbindet und Hoffnung schenkt.

Damit Sie sich immer daran erinnern können, haben wir eine kleine Erinnerung für Sie: einen Einkaufswagenlöser. Er soll Sie an das Motto unseres Gottesdienstes erinnern: „Gemeinsam auf dem Weg – Gott ist dabei.“ So begleitet uns Gott nicht nur hier in der Kirche, sondern auch in unserem Alltag – bei jedem Schritt und sogar beim Einkauf.

Vielleicht wird unsere Kirche in den nächsten Jahren manchmal noch wie eine Baustelle aussehen. Aber wir wissen: Das Fundament steht fest. Jesus Christus trägt uns – und auf diesem Fundament bauen wir gemeinsam weiter. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Beitrag von Redaktion
15.03.2026