Was ist eigentlich Glück?
Manchmal beginnt diese Frage ausgerechnet mit einem Klecks auf der Hand.
An einem der ersten warmen Frühlingstage. Die Sonne scheint, wir sitzen draußen, die Kinder essen, ich halte meinen Kaffee in der Hand – und plötzlich: Platsch. Ein Vogel hat mich getroffen. Ich erschrecke kurz.
„Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, genau mich zu erwischen?“, geht es mir durch den Kopf. Aber dann merke ich: Es war nur meine Hand. Nicht das Essen der Kinder. Nicht mein Kaffee. Nur meine Hand. Glück gehabt.
Während ich noch zwischen Ekel und Lachen schwanke, schaut mich mein Sohn an und fragt:
„Wo findest du jetzt das Glück?“
Eine gute Frage.
Denn irgendwo im Hinterkopf meldet sich der Aberglaube: Vogelkot bringt Glück. Also doch schnell Lotto spielen? Wäre das die logische Konsequenz? Ist Glück ein Sechser mit Zusatzzahl? Ein unerwarteter Geldregen? Oder ist das Glück vielleicht viel näher?
Oder steckt Glück genau in diesem Moment?
Mit meiner Familie draußen in der Sonne zu sitzen.
Kinderlachen zu hören.
Den Frühling zu spüren.
Zeit zu haben.
Glück ist nicht immer das Große, das Spektakuläre, das Unwahrscheinliche.
Manchmal ist es das Bewahrtwerden im Kleinen.
Manchmal ist es, dass nur die Hand getroffen wurde.
Manchmal ist es die Perspektive.
Vielleicht ist Glück, sich gehalten zu wissen – auch in solchen Momenten.
In der Bibel heißt es: Gott nahe zu sein ist mein Glück. (Ps 73,28)
Genau darin liegt vielleicht dieses andere Glück: nicht im Zufall, sondern in der Nähe. Nicht im Treffer, sondern im Getragensein.
Und vielleicht ist das größte Glück gar kein Zufall.
Vielleicht ist es Beziehung.
Getragen sein.
Geliebt sein.
Vielleicht beginnt dieses Glück genau dort, wo ich aufhöre, nach dem Außergewöhnlichen zu suchen, und anfange, es im Gegenwärtigen zu entdecken.
„Wo findest du jetzt das Glück?“
Genau hier.
Mitten im Leben.
Mitten im Chaos.
Mitten im Frühling.
Schau hin!
Und vielleicht ist das Glück nicht etwas, das ich festhalten kann, sondern etwas, das mich hält.
Einen glücklichen Sonntag.
Amen.
Ihre Pfarrerin Ann-Kathrin Rieken
Kirchengemeinde Königslutter-Nord-Elm
