Nachricht

Kategorie: KG_alle

Neugier verbindet:

Tafelgespräche Königslutter auf Entdeckungsreise im Haus der Religionen

Das Team der Tafelgespräche

Das Team der Tafelgespräche

Stadt des Friedens

Stadt des Friedens

Wie viel leichter fällt es, andere Menschen zu verstehen, wenn man etwas über ihre Religion, ihre Traditionen und ihre Sicht auf die Welt weiß? Dieser Frage gingen die Teil­nehmenden einer Busfahrt der Tafel­gespräche Königslutter nach Hannover nach. Im Rahmen der Inter­kulturellen Wochen im Land­kreis Helmstedt hatten die Tafel­gespräche zu einem gemeinsamen Besuch des Hauses der Religionen eingeladen.

Die Tafel­gespräche Königslutter sind ein Zusammen­schluss von Menschen  unter­schied­licher Herkunft, Religionen und gesell­schaft­licher Bereiche, die sich für Begegnung, Austausch, Toleranz und ein gutes Miteinander in Königslutter und im Landkreis Helmstedt einsetzen. Dass diese Zusammen­arbeit inzwischen so selbst­verständlich und verlässlich erscheint, ist keines­wegs selbst­verständlich: Sie lebt davon, dass Menschen immer wieder bereit sind, auf­einander zuzugehen, mit­einander zu planen und Verschieden­heit nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung zu verstehen. Bereits im neunten Jahr beteiligen sich die Tafel­gespräche mit einem eigenen Angebot an den Inter­kulturellen Wochen im Landkreis Helmstedt. Eine Kontinuität, die zeigt, dass aus Begegnungen langfristige Verbindungen entstehen können.

Schon bei der Abfahrt in Königslutter war die Stimmung bestens. Neugierig und gut gelaunt machte sich die Gruppe auf den Weg nach Hannover – gespannt darauf, welche Geschichten das Haus der Religionen erzählen und welche vielleicht ganz neuen Erkennt­nisse der Tag bringen würde.

Eine besondere Freude war dabei auch das Wieder­sehen mit der ehemaligen Pröpstin Martina Helmer-Pham Xuan, die eben­falls an der Führung teilnahm.

Und tatsächlich wurde aus dem Ausflug schnell eine kleine Bildungs­reise. Das Haus der Religionen – Zentrum für inter­religiöse und inter­kulturelle Bildung in Hannover versteht sich als Ort der Begegnung und des Dialogs. Neun Religions- und Welt­anschauungs­gemein­schaften wirken dort zusammen: Alevitentum, Bahaitum, Buddhismus, Christentum, Ezidentum, Hinduismus, Humanismus, Islam und Judentum.

Während einer rund anderthalb­stündigen Führung gab es für die Besucherinnen und Besucher viel zu entdecken, anzufassen, auszu­probieren und vor allem zu fragen. Gerade dieser Mitmach­charakter machte den Besuch besonders lebendig. Religion wurde hier nicht als etwas Abstraktes vermittelt, sondern über Gegen­stände, Symbole, Rituale und Geschichten aus dem Alltag von Menschen erfahrbar.

Neben Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus und Buddhismus waren es für manche Teilnehmende gerade die weniger bekannten Glaubens­richtungen, die besondere Neugier weckten – beispiels­weise das Bahaitum, das Alevitentum oder das Ezidentum. So wurde deutlich, wie vielfältig religiöses und welt­anschau­liches Leben ist und wie wenig wir manchmal über das wissen, was für andere Menschen selbst­verständlich zu ihrem Leben gehört.

Dabei ging es keines­wegs darum, die Religionen nur neben­einander­zustellen. Viel spannender war die Frage: Was unter­scheidet uns – und was verbindet uns?

Manchmal zeigt sich das schon an vermeintlich kleinen Dingen. Warum wird in einem religiösen Raum eine Kopf­bedeckung getragen, während sie an anderer Stelle abge­nommen wird? Warum zieht man hier die Schuhe aus, dort aber nicht? Welche Bedeutung haben bestimmte Gesten, Speisen, Gebete oder Symbole?

Sobald Hinter­gründe erklärt werden, wird aus dem zunächst Fremden etwas Nach­vollzieh­bares. Und genau darin lag eine wichtige Erkenntnis dieses Tages: Wir müssen nicht alles gleich machen und auch nicht alles gleich sehen. Aber wir können miteinander reden, nachfragen und verstehen lernen, warum etwas für einen anderen Menschen wichtig ist.

Über allem stand deshalb ein Thema, das weit über Religion hinausgeht: Kommunikation.

Wer miteinander spricht, muss weniger über­einander vermuten. Wer neugierig fragt, entdeckt hinter Regeln und Traditionen Menschen und ihre Geschichten. Und wer bereit ist zuzuhören, stellt häufig fest, dass es trotz aller Unterschiede überraschend viele Gemeinsamkeiten gibt.

Genau dafür stehen die Interkulturellen Wochen – und genau darin liegt seit inzwischen neun Jahren auch die Stärke der Tafel­gespräche in Königslutter: Begegnungen ermöglichen, Verschieden­heit sichtbar machen und Räume schaffen, in denen Menschen miteinander statt über­einander sprechen.

Nach andert­halb Stunden voller Informationen, Fragen und neuer Eindrücke meldete sich dann allerdings ein sehr religions­übergreifendes Bedürfnis: der Hunger. Bei einem gemein­samen Besuch in einem italienischen Restaurant um die Ecke konnte das Gehörte in geselliger Runde noch einmal nach­wirken und natürlich auch über vieles andere gesprochen und gelacht werden.

Für die entspannte Rück­fahrt sorgte schließlich der Busfahrer von Pollitz-Duckstein, der die Gruppe mit guter Laune und bester Unter­haltung wieder sicher nach Königslutter brachte.

Am Ende waren sich die Teilnehmenden einig: Das war ein rundum gelungener Tag in Hannover.

Und vielleicht blieb neben all dem neuen Wissen vor allem eine einfache Erkenntnis hängen: Unter­­schiede müssen nicht trennen. Sie können neugierig machen. Kennenlernen beginnt mit einer Frage, Verständnis mit dem Zuhören – und Gemein­schaft entsteht dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen.

Beitrag von Silke Kamphenkel
31.08.2026